DDR-Bau „Haus der Statistik“ wird nach Kernsanierung ein Vorzeigequartier

Wie wird aus einem leerstehenden DDR-Großbau ein zukunftsfähiges Quartier? Die Kernsanierung des „Haus der Statistik“ am Berliner Alexanderplatz zeigt, welches Potenzial in Bestandsgebäuden steckt – technisch, energetisch und gesellschaftlich. Ein innovatives Energiekonzept mit Abwasser-Wärmepumpen trifft auf komplexe Installationsanforderungen im Großobjekt. 

Das in den 60er Jahren errichtete „Haus der Statistik“ am Alexanderplatz in Berlin ist in jeder Hinsicht eine Landmarke. Architektonisch durch die DDR-typische Stahlskelettbauweise genauso wie aufgrund der wechselhaften Nutzung im zurückliegenden halben Jahrhundert: Ursprünglich war es Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik der DDR. Nach der Wiedervereinigung nutzten unter anderem das Bundesamt für Statistik und die Gauck-Behörde das acht- bis zehngeschossige Gebäude; seit 2008 stand es leer. Bis das Land Berlin den gesamten Komplex erwarb und unter enger Einbindung der Zivilgesellschaft ein bemerkenswertes, durch die ARGE Hochtief/ZÜBLIN umgesetztes Sanierungsprojekt startete. In dem neuen Quartier wird es künftig neben- und miteinander Raum für Kunst, Kultur, Soziales und Bildung, bezahlbares Wohnen, öffentliche Verwaltung sowie das „Rathaus der Zukunft“ des Bezirks Mitte geben. Dafür wird das 46.440 Quadratmeter Bestandsgebäude komplett entkernt und neu aufgebaut. Zudem entstehen ergänzende Neubauflächen.

Nachhaltiges Energiekonzept

Mit der Kernsanierung einher geht ein besonders nachhaltiges energetisches Versorgungskonzept, das die Berliner Stadtwerke umsetzen. Im Mittelpunkt stehen Wärmepumpen, die das Abwasser von standortnahen Mischwasserkanälen für die Wärme- und Kälteversorgung nutzen. Die thermische Energie aus den Kanälen gelangt über ein ungedämmtes, multifunktionales Anergienetz (als kaltes Nahwärmenetz) zu drei Wärmepumpenzentralen im Bestandsgebäude. Im Winter stellen die Wärmepumpen aus der Wärme des Abwassers eine Heiztemperatur von etwa 45 °C bereit. Für Spitzenlasten sind ergänzend drei Elektroheizungen (130 kW, 170 kW, 210 kW) vorgesehen, die als Power-to-heat-Anlagen primär durch die PV-Anlage (ca. 130 kWp) auf dem eigenen Hausdach versorgt werden. Im Sommer entziehen die Wärmepumpen den Gebäuden die Wärme und geben sie über das Anergienetz wieder an das Abwasser ab.

„Viega Pressverbindersysteme sind Unternehmensentscheidung“

Die Heizungs- und Sanitärverteilung im „Haus der Statistik“ montierte die Von der Heydt Service GmbH & Co. KG komplett mit den Pressverbindersystemen von Viega. Für Chris Barycza und Konstantin Jipp, Geschäftsführer des Fachhandwerksunternehmens, hat die Festlegung auf den Viega-Systemverbund einen ganz einfachen Grund: „Gerade im Sanierungsgeschäft, insbesondere in Großobjekten mit vielen Kilometer Rohrleitung müssen die Installationen aus wirtschaftlichen Gründen schnell und reibungslos erfolgen. Und zwar selbst dann, wenn im Gegensatz zur ursprünglichen Planung noch Anpassungen notwendig sind, sei es bei Kollisionen mit anderen Versorgungsleitungen oder Versprüngen aufgrund von Unterzügen oder ähnlichem. Also dem Unvorhergesehenen, das es bei jeder Sanierungsmaßnahme immer gibt. Mit der Systemtechnik von Viega sind solche Aufgaben problemlos zu lösen. Die Festlegung ist also keine Projekt-, sondern eine Unternehmensentscheidung, die bis in erfolgreich gewonnene Ausschreibungen trägt.“

Ein entscheidendes Argument für die Viega Pressverbindersysteme war zudem die Sicherheit der „SC-Contur“, also die Zwangsundichtheit der Verbinder im unverpressten Zustand. Eine versehentlich vergessene Verpressung fällt dadurch schon beim Befüllen der Anlage bzw. bei der notwendigen Druckprüfung mit Luft auf. Rigo Meilke, Viega Verkaufsleiter in der Region Berlin-Brandenburg: „Bei der ,SC-Contur´ ist diese Sicherheitsfunktion selbst dann gegeben, wenn wie bei diesem Hochhaus große geodätische Höhenunterschiede berücksichtigt werden müssen. Die ,SC-Contur´ schützt die Installateure also verlässlich vor möglicherweise beträchtlichen Folgeschäden.“ Wie viel die geodätische Höhe im „Haus der Statistik“ ausmacht, zeigt im Übrigen ein genauerer Blick auf die Trinkwasserinstallationen: Weil der Versorgungsdruck je nach Gebäudeteil nur bis zur vierten oder fünften Etage ausreicht, musste beispielsweise jeweils ein zweites Netz mit eigenen Druckerhöhungsanlagen zusätzlich installiert werden.

Potenzial in Bestandsobjekten

Das Beispiel des „Haus der Statistik“ zeigt damit im Ergebnis zum einen, wie viel Potenzial städtebaulich und gesellschaftlich, aber auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten – Stichwort: „graue Energie“ – in einer konzeptionell umfassend aufgestellten Kernsanierung von Bestandsobjekten liegt. Zum anderen wird daran aber auch deutlich, wie wichtig abgestimmte Installationssysteme für ein solches Projekt sind: Als zentrale „Lebensadern“ unterstützen sie nicht nur den effizienten und nachhaltigen Betrieb des „Hauses der Statistik“, sondern leisten gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Trinkwasserhygiene.

Objekt Geschäfts-, Büro- und Wohngebäude
Ort Berlin, Deutschland
Jahr 2026
Objektart Gebäudesanierung
Installation Von der Heydt Service GmbH & Co. KG
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